← Zurück zu Aktuelles

2. September 2026 · Regeneratieve Alliantie

Eine gesunde Pflanze kommt öfter allein zurecht, als man denkt

In diesem Jahr baut Milchviehhalter Joost van Eert zum ersten Mal Gemüse an. Ohne Mineraldünger und chemischen Pflanzenschutz, dafür mit viel Aufmerksamkeit für Boden- und Pflanzengesundheit. Seine erste Saison zeigt, was passieren kann, wenn man nicht bei jedem Problem sofort eingreift.

Vom Grünland zum Gemüseanbau

In Steenbergen führt Joost van Eert gemeinsam mit seiner Familie einen Bio-Milchviehbetrieb, den es schon seit Generationen gibt. Vor sechs Jahren hat er auf Bio umgestellt. Nicht nur aus Überzeugung, sondern auch aus Neugier: Ginge es auch anders?

Als im vergangenen Jahr Fläche frei wurde, entschied sich Joost gegen zusätzliche Kühe. Stattdessen begann er zusammen mit seinem Partner Victor Wensink einen neuen Betriebszweig: den ökologischen Gemüsebau. Auf Flächen, die acht Jahre lang Grünland waren, bauen sie in diesem Jahr zum ersten Mal Knoblauch, Rot- und Weißkohl sowie Knollensellerie an.

Knoflook in mei 2026-2
Knoblauch Mai 2026

"Wenn man diese Fläche nach acht Jahren Grünland nutzt, will man die Vorteile der aufgebauten organischen Substanz auch ausschöpfen."

Der Schritt in den Gemüsebau bedeutete auch, dass Joost sich neues Wissen aneignen musste. Über seine Kontakte zu Urgenda und Meer Bomen Nu kam er zum E-Learning der Regeneratieve Alliantie. Im vergangenen Jahr absolvierte er den Kurs, und im vergangenen Sommer bereitete er den Boden mit dem Anbau von Gründüngung und dem Einsatz von Fermenten vor. 2026 ist das erste echte Anbaujahr, in dem er intensiv von Dietmar Näser begleitet wird.

Nicht sofort eingreifen

Die ersten Ergebnisse sind positiv. Der Knoblauch ist inzwischen geerntet und ist gut gewachsen. Beim Kohl und beim Knollensellerie sieht Joost bislang dasselbe Bild.

Ein auffälliges Beispiel gab es im Juli. Der Kohl bekam Probleme mit Blattläusen. Der Rat eines konventionellen Beraters: vermutlich mit einem zugelassenen Bio-Mittel spritzen.

Joost beschloss, zuerst etwas anderes zu versuchen. Es war bereits sieben Wochen trocken, wobei die Pflanzen trotzdem gut gewachsen waren und kräftige Wurzeln gebildet hatten. Doch das Wachstum schien nun durch die extreme Trockenheit zu stagnieren. Er spritzte den Bestand mit Komposttee und Mikronährstoffen für eine vitale Pflanze. Anschließend beregnete er, um die Blattläuse abzuwaschen und Wachstum und Mineralisierung wieder in Gang zu bringen. Danach wartete er ab.

 wortels van de witte kool.
Wurzeln des Weißkohls

Eine Woche später waren die Blattläuse verschwunden. Es zeigte sich, dass reichlich Schlupfwespen vorhanden waren, die die Eier der Blattläuse parasitiert hatten. Eine Spritzung war nicht nötig.

Für Joost steckt darin ein wichtiger Teil des regenerativen Arbeitens: dafür sorgen, dass die Pflanze so vital wie möglich ist, gut beobachten und nicht automatisch eingreifen.

"Eine gesunde Pflanze ist eine widerstandsfähige Pflanze."

Weniger Stickstoff als empfohlen

Auch bei der Düngung wählte Joost einen anderen Weg. Kohl ist eine Kultur mit hohem Stickstoffbedarf, und ihm wurde geraten, kräftig nachzudüngen. Nur wuchs der Kohl so schnell, dass er die organischen Düngerpellets nicht mehr streuen konnte, bevor der Bestand geschlossen war.

Er beschloss, es ohne zusätzliche Stickstoffgabe zu versuchen.

Blattsaftanalysen zeigen inzwischen, dass die Stickstoffaufnahme der Pflanzen mehr als ausreichend ist. Nach Joosts Einschätzung verbraucht er dadurch rund 100 Kilo Reinstickstoff weniger als in der Standardempfehlung.

Das kann auch finanziell einen Unterschied machen. Hätte er die Düngerpellets gestreut, hätte das rund 800 Euro pro Hektar gekostet. Zusammen mit einer eventuellen Insektizidbehandlung schätzt er die Einsparung auf etwa 1.900 Euro pro Hektar.

Gleichzeitig macht Joost selbst eine wichtige Einschränkung. Die Fläche war acht Jahre lang Grünland und hatte dadurch schon eine gute Ausgangslage. Und die Saison ist noch nicht vorbei.

Kein einfaches Rezept

Regenerativ zu arbeiten bedeutet laut Joost also nicht, dass man alle Probleme einfach vermeidet. Der Ansatz verlangt Wissen, Experimentieren und Investitionen. Fermente und andere Behandlungen sind nicht billig, und manchmal zahlt man Lehrgeld.

Für intensive Betriebe kann die Umstellung außerdem schwierig sein. Wer einen engen Anbauplan, hohe Fixkosten und wenig Spielraum für bodenschonende Ruhekulturen hat, kann nicht einfach andere Entscheidungen treffen.

Deshalb sieht Joost auch Chancen in der Zusammenarbeit. Ein intensiver Ackerbaubetrieb könnte zum Beispiel mit einem extensiveren Viehbetrieb zusammenarbeiten, sodass mehr Raum für eine weitere Fruchtfolge und für die Erholung des Bodens entsteht.

Für Joost beginnt es vor allem mit einem anderen Blick: erst verstehen, was auf dem Feld passiert, und dann entscheiden, was zu tun ist.

"Was im Kurs beschrieben wird, sehen wir tatsächlich auch bei uns."

Seine eigene erste Saison ist noch lange kein Beweis dafür, dass ein Ansatz überall funktioniert. Aber die ersten Erfahrungen geben ihm Vertrauen.


Regenerative Landwirtschaft praktisch erlernen

Möchten Sie auch mit regenerativem Anbau starten? Werfen Sie einen Blick auf unser Kursangebot und erfahren Sie, wie Sie Boden- und Pflanzengesundheit in den Mittelpunkt Ihrer Betriebsführung stellen.

Zu den Kursen →