Seit mehr als zwei Jahrhunderten bewirtschaftet die Familie Klompe dieses Land: Der Hof besteht seit 1797, einst mit Viehzucht und Ackerbau, nach der großen Flutkatastrophe von 1953 nur noch mit Ackerbau. Gillis wuchs hier auf und übernahm den Betrieb 1996 selbst. Er baut unter anderem Pflanzkartoffeln, Speisekartoffeln, Zwiebeln, Zuckerrüben, Erbsen, Mais, Gras und Winterweizen an. An diesen Kulturen hat sich wenig geändert. An der Art, wie er sie anbaut, dagegen schon. Dieser Wendepunkt kam 2018.
2018: Das Jahr, in dem der Knoten platzte
Bis 2018 hatte Gillis vom Klimawandel kaum etwas gespürt. „Damit hatten wir eigentlich noch nicht so viele Probleme." Doch 2018 war „ein außergewöhnlich schlechtes Jahr, extrem trocken". Das brachte ihn zum Nachdenken: Wie wird man widerstandsfähiger gegen solche Wetterextreme? Da kam er in Kontakt mit Ger Kappert von Bij de Oorsprong. 2021 und 2022 absolvierte er gewissermaßen eine Vorläuferversion des Kurses der Regeneratieve Alliantie (die Allianz besteht offiziell erst seit 2024) — und zwar zweimal. „Das waren wahnsinnig viele Informationen. Indem wir den Kurs zweimal gemacht haben, konnten wir besser darüber nachdenken, und jedes Mal hörten wir wieder etwas Neues."
Schritt für Schritt
Nach dem Kurs begann die eigentliche Arbeit: das Bewusstsein, dass es auch anders geht, herausfinden, wie das in der Praxis funktioniert, Maschinen anpassen — und abwarten. Man bekommt schließlich nur eine Chance pro Jahr, etwas Neues auszuprobieren, und das Wetter ist unberechenbar. So wollte Gillis winterharte Gründüngung einsetzen, hatte aber noch Saatgut von zuvor, das den Winter nicht überlebte. „Dann ist man wieder ein Jahr weiter, bis zum nächsten Versuch." Geduld ist daher das Schlüsselwort: „Die Theorie stimmt, aber die Praxis ist launisch und widerspenstig. Das geht nicht in zwei Jahren."
Der Boden verändert sich
Und diese Geduld zahlt sich aus. Kartoffelkäfer kommen in den Kartoffeln kaum noch vor. Auch Blattläuse in den Speisekartoffeln sind so gut wie verschwunden, auch wenn bei den Pflanzkartoffeln wegen der Gefahr der Virusübertragung noch gespritzt wird. Auch Bodenstruktur und Wasserhaltevermögen haben sich verbessert, und die Kulturen sind widerstandsfähiger geworden. Welcher Maßnahme genau das zu verdanken ist, will Gillis nicht festlegen: „Das ist das Zusammenspiel mehrerer Maßnahmen: den Boden möglichst lange grün halten, mehr Fruchtfolgevielfalt, all diese Prinzipien zusammen. Das ergibt eine gewisse Widerstandsfähigkeit."
„Geh auf eine 7 statt auf eine 3"
Bei dieser Suche hilft die Begleitung von Dietmar Näser, der ein paar Mal pro Saison vorbeikommt. „Er kann oft schon im Voraus einschätzen, was schiefgehen wird, und hält einen ein bisschen bei der Stange." Sein Rat ist praktisch: Wenn das ideale Bild, eine 10, gerade nicht erreichbar ist, dann lieber eine 7 anstreben als eine 3. Nicht alles wirkt sofort. Eine Behandlung mit Komposttee etwa wirkt anders als ein chemisches Mittel: Sie setzt an der Ursache an statt am Symptom, und das braucht mehr Zeit. Auch Dietmar lernt mit: Was im Ausland funktioniert, funktioniert hier ein bisschen anders, und selbst innerhalb der Niederlande unterscheidet es sich je nach Boden und Klima.
Lieber zu früh anfangen als zu spät
Gillis sieht sich selbst nicht unbedingt als Pionier. „Ich will hier einfach ein Stück vorankommen und dafür sorgen, dass es besser wird. Der Boden wird einfach schlechter, wenn wir weitermachen wie bisher. Es gibt zwar noch chemische Mittel, auf die man zurückgreifen kann, aber in den letzten Jahren sind schon viele davon verschwunden. Wer jetzt anfängt, hat später noch Spielraum zum Lernen. Fang lieber zu früh an als zu spät. Den Boden aufzubauen dauert Jahre."
Am 4. Juli: Besuchen Sie uns in Hornhuizen
Gillis ist Moderator beim Tag der Regenerativen Landwirtschaft. Am 4. Juli können Sie in Hornhuizen bei einem Tag der offenen Tür vorbeischauen. „Der informelle Teil ist das Schönste: Dann kann man einfach miteinander über Erfahrungen sprechen. Ich bin nicht unterwegs, um Leute zu bekehren, aber wenn sie Fragen haben, ist das völlig in Ordnung."